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Dies sind meine Blognews

2019-06-13

Kontakt zur Familie

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Zunächst einmal das Gute. Ich habe einen sehr guten Kontakt zu meiner Tochter. Wir sprechen jeden Tag miteinander und meist sehen wir uns auch. Wenn wir uns mal nicht sehen, wird zumindestens täglich per WhatsApp miteinander kommuniziert. Darüber bin ich auch sehr glücklich. Es war eigentlich für meine Tochter überhaupt kein Problem dass ihr Vater eine Transfrau ist. Ich denke das eigentliche Problem für meine Tochter war das meine Frau und ich uns trennen mussten. Heute sagt sie allerdings, dass sie es komisch finden würde wenn wir heute noch zusammen wären. Sie würde es komisch finden wenn ich heute mit einer Frau zusammen wäre und nicht mit einem Mann. Obwohl sie akzeptieren würde wenn ich lesbisch wäre. Sie hat grundsätzlich kein Problem mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Allerdings bin ich heterosexuell und somit ist auch klar dass ich heute einen Freund habe.

Zu meiner Mutter habe ich ebenfalls einen guten Kontakt. Allerdings wohnt sie 600 km von mir entfernt und somit können wir uns nur selten sehen. Aber telefonieren tun wir miteinander regelmäßig. Es hat mich gewundert wie schnell sie es weggesteckt hat, dass ihr Sohn eine Tochter ist. Trotz ihres Alters hat sie sich mit dem Thema beschäftigt und irgendwann verstanden und auch akzeptiert, dass sie eine Tochter hat. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade alte Menschen es viel leichter akzeptieren dass ich heute eine Frau bin. Das liegt glaube ich daran, dass man mit zunehmenden Alter umso mehr versteht, dass es im Leben noch mehr als nur Schwarz und Weiß gibt. Man begreift, so glaube ich, erst mit zunehmenden Alter was alles möglich ist auf unserer Welt.

Ganz anders war es z.b. bei meinem Bruder. Da musste ich mir wieder meinen Lieblingssatz anhören, dass er und seine Frau mich zu Grabe getragen haben als ich ihm offenbarte, dass er keinen Bruder sondern eine Schwester hatte. Ich muss allerdings sagen, dass wir bis dahin ein wirklich sehr gutes Verhältnis miteinander hatten. Nun bekam ich aber gesagt, ob sie Hannah mögen das wüssten sie nicht. Nun ja, eigentlich war ich ja immer noch derselbe Mensch, ich habe lediglich gesagt dass sich die Natur bei mir vertan hat und ich kein Mann sondern eine Frau bin. An dieser Reaktion konnte ich recht schnell erkennen, dass mein Bruder keinen gesunden Optimismus, sondern eher einen Pessimismus in dieser Beziehung an den Tag legte. So wirklich habe ich eine Chance bei den zwei nie bekommen. Stattdessen kamen dann so Sätze wie, du bist ja gar keine richtige Frau und kannst gar nicht mitreden.

Ein anderer Klassiker der mir gesagt wurde, warum ich nicht schon früher mit ihm gesprochen habe. Grundsätzlich spricht ja nichts gegen diese Frage, allerdings wurde mir das zum Vorwurf gemacht. Und hallo, geht’s noch! Ich habe doch keinem was getan sondern lediglich nur gesagt dass ich eine Frau bin! Und zu diesem Zeitpunkt war ich wirklich fertig. Und das weiß jeder selbst, wenn man am Boden liegt und am Ende seiner Kräfte ist, dann sind Vorwürfe auf nicht hilfreich. Nun muss man natürlich sagen, dass die beiden sich recht schnell über Gott und die Welt aufregen und dafür auch bekannt sind. Und es kam natürlich das was zu erwarten kam dass wir uns vollständig zerstritten haben. Ich habe mehrfach versucht den Kontakt wieder herzustellen, aber es ist sehr schwierig wenn Menschen nach dem Sandkasten Buddel Prinzip leben und immer wieder Sachen ausgraben die schon Ewigkeiten her sind. Klar habe ich auch Fehler gemacht und ich kann auch dieses eingestehen und auch laut sagen:” ja ich habe Fehler gemacht.” Aber dann ist auch gut und es muss mal Schluss sein. Bis zum heutigen Tag hat mich mein Bruder nie besucht. Auch als ich meine geschlechtsangleichende OP hatte wurde nie nachgefragt wie es mir geht oder was ich mache. Damals hat mir das sehr weh getan, weil ich an meinem Bruder sehr hing. Ich glaube wenn ich nicht immer versucht hätte den Kontakt noch zu halten, wäre er in seinem Verhalten sehr konsequent und wir würden wohl nie mehr was voneinander hören. 

Es hat Jahre gedauert, bis ich gelernt habe es zu akzeptieren andere loszulassen die nicht wollen. Bis zum heutigen Tage besteht meine Familie aus meiner Tochter und meiner Mutter. Mein Vater ist bereits verstorben und es tut mir sehr leid dass ich es ihm nicht sagen konnte,  dass er eine Tochter hat.

Admin - 06:43:31 @ Transgender Frau | Kommentar hinzufügen