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Transfrau in der Pubertät.

Transfrau | Die Pubertät

In der Pubertät habe ich dann schließlich begriffen was mit mir los war. Ich hatte zwar noch keinen Namen dafür. Das lag daran weil, ich den Begriff Transsexualität noch nie gehört habe. Zudem war ich etwas verunsichert und hatte eine Zeit lang geglaubt, dass mein
Bedürfnis mich als Mädchen zu kleiden vielleicht eine Phase der Pubertät sei. Zu meiner Zeit war die Jugend noch nicht so aufgeklärt wie heute. Es bestand auch nicht die Möglichkeit schnell mal im Internet nachzuschauen. Denn zu dieser Zeit habe ich auch von
Internet noch nie was gehört. Es gab einfach kein Internet zu dieser Zeit. Zu mindestens nicht in diesem Stil wie man es heute kennt! Zudem bekam ich einen Ansatz von Brustwachstum. Das kann in der Pubertät passieren und hat nicht zwangsläufig etwas mit Transsexualität zu tun. Allerdings hat es bei mir irgendwie gepasst! Mein Bruder macht er sich damals etwas lustig darüber. Insgeheim habe ich mir gewünscht, dass ich tatsächlich einen Busen bekomme. Meine Mutter hatte mich damals zum Hausarzt geschickt deshalb.

Er teilte mir aber mit dass dies kein Problem sein und Jungs schon mal in der Pubertät bekommen können. Schließlich spielen in dieser Zeit die Hormone verrückt. Auf der einen Seite verspürte ich eine Erleichterung, weil es mit Sicherheit schwierig gewesen wäre als
Junge mit einem Busen rumzulaufen. Auf der anderen Seite wäre ich doch gerne ein Mädchen gewesen und natürlich dann auch mit einem Busen. Zu dieser Zeit war ich gerade mal zwölf Jahre und woher sollte ich denn irgendetwas über Transexualität wissen. Ich
wusste doch gar nicht, dass man auch schon zu dieser Zeit was hätte machen können. Allerdings hätten dann auch meine Eltern offen zu diesem Thema stehen müssen. Und das war zu dieser Zeit nicht zu erwarten. Mein Vater war Stadt bekannt durch seinen Brennstoffhandel und meine Mutter wäre im Erdboden versunken. Wahrscheinlich hätten sie mich in die Kategorie homosexuell eingeordnet. Und das ist bekanntermaßen ein völlig
anderes Thema! Das verwirrende zu dieser Zeit war für mich, dass ich auf Mädchen stand. Deshalb habe ich auch geglaubt, dass ich krank sei. Oder, dass dies alles nur eine Phase der Pubertät ist und irgendwann weggeht. Es ist schlimm für ein Kind in solch einer Situation alleine zu sein und damit umgehen zu müssen. Aber so war es nun mal bei mir! Ich kann mich noch an das erste Mal erinnern als ich das Bedürfnis hatte mich als Mädchen zu kleiden. Es war als sie zwölf Jahre alt war und in diesem Alter hatte ich natürlich noch
nicht zu Möglichkeiten mir irgendetwas zu kaufen. Ich hatte aber eine große Fahne vom Fußballverein der Sportfreunde und hatte diese dann vom Fahnenmast abgemacht. Ich kann mich noch genau an das aufregende Gefühl erinnern als ich aus dieser Fahne einen Wickelrock mir machte. Fast wäre ich einmal von meinem Bruder erwischt worden. Er kam plötzlich in meinem Zimmer und ich konnte es aber rechtzeitig bemerken und beschloss mit einem Satz in mein Bett zu springen. Schnell hüpfte ich unter die Bettdecke und konnte
somit in den Wickelrock verstecken. Noch einmal Glück gehabt! Die Angst irgendwann einmal erwischt zu werden hat mich bis ins Alter begleitet. Es war eine enorme Belastung für mich immer diesen Drahtseilakt zwischen den Geschlechtern. 

Und immer hat die Sorge mich begleitet irgendwann einmal erwischt zu werden. Es war die Angst von anderen ausgelacht zu werden und dass die Transsexualität ins Lächerliche gezogen würde. Später war es dann die Angst vor dem alles zu verlieren und auf einmal
ganz alleine da zu stehen. Aber dazu komme ich später! Nachdem nun mein Bruder mich fast erwischt hätte mit meiner Fahne als Wickelrock beschloss ich dies zu Hause vorerst nicht mehr zu machen. Als kleiner Junge machte ich mich dann auf in den Wald und
beschloss mich dort als Mädchen zu kleiden. Dann bin ich mit meinem Wickelrock durch den Wald spazieren gegangen mit der Angst im Nacken hoffentlich kommt mir keiner entgegen.
Ich komme da aber feststellen dass ich von Mal zu Mal immer mehr Freude daran hatte mich als Mädchen zu kleiden. Allerdings nahm das ganze solche Ausmaße an in meinen Gedanken, dass ich mich nur ganz schwer in der Schule konzentrieren konnte. Immer
wieder musste ich daran denken, dass ich ein Mädchen sein wollte. Die Gedanken darüber wann und wie ich das nächste Mal als Mädchen wieder durch den Wald streifen kann bestimmten mittlerweile meinen Alltag. In meiner Kindheit konnte ich das ganze ja gar nicht benennen oder gar vergreifen. Aber jetzt in der Pubertät habe ich begriffen was mit mir los ist. Ich war im falschen Körper, bzw der Körper war nicht stimmig mit meinem empfundenen
Geschlecht. Dementsprechend waren meine schulischen Leistungen. Es war für mich bis zum Abschluss nur noch eine Qual mit der Schule. Das brachte wiederum eine Menge Ärger für mich zu Hause ein. Aber ich konnte meine Eltern ja nichts über mein Empfinden erzählen. Sie hatten mich sicherlich für verrückt erklärt! Es war für mich klar dass ich dieses Geheimnis für mich behalten müsste und dieses Geheimnis sicherlich mit in mein Grab  nehmen. Das war die große Sorge ausgelacht zu werden die mich ständig begleitete. Es ist
nicht schön und auch nicht förderlich für einen jungen Menschen in ständiger Angst leben zu müssen. Das so etwas Spuren hinterlässt war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht klar. Das kam erst viel später, als mir dann bewusst wurde welche psychische Auswirkung das Ganze
auf mich hatte. Mit 14 lernte ich dann meine Jugendliebe kennen, welche ich später geheiratet hatte. Sie ist Susanne (Name wurde geändert). Ich kann sagen dass ich richtig verliebt in Susanne war. Sie war eine tolle Frau, mit langen braunen Haaren und einer schlanken zierlichen Figur. Zudem war sie ein Jahr älter als ich was im Alter von 14 Jahren in die ich war eine Menge aus machte. Sie war fraulich schon sehr gut entwickelt und ich war fasziniert von ihr. Man konnte sagen dass sie ein richtiger Hingucker war und ich musste dann auch irgendwann feststellen, dass solche Frauen in der Regel nicht für einen alleine da sind. Die nächsten Monaten war ich voller Glücksgefühl mit ihr, dass ich eine Zeit lang meine Transsexualität völlig vergessen konnte. Aber kann man die Transsexualität überhaupt
vergessen? Heute kann ich rückblickend sagen, dass es nicht geht. Die Unstimmigkeit zum inneren empfinden und dem äußeren lässt sich nicht durch irgendetwas bremsen. Man kann schon sagen dass es mir immer wieder vor die Füße gefallen ist. So kam es dann auch in der Zeit mit Susanne, dass mir bekannte Gefühl wieder durch. Ich musste mich wieder als Mädchen kleiden, um wenigstens eine kleine Zeit für mich haben, in der ich ich selbst sein durfte. Und das war nicht ein Junge sondern ein Mädchen! Mittlerweile war alles so konfus bei mir, dass meine schulischen Leistungen komplett im Keller waren. Schließlich musste ich im neuen Schuljahr in die Realschule verlassen um noch wenigstens meinen Hauptschulabschluss zu erreichen. Dieses funktionierte allerdings sehr gut! Auf der Realschule hatte ich als Leistungskurs Mathematik und Physik. Warum ich ausgerechnet das gewählt habe weiß ich bis heute nicht.

Es stellte sich aber als eine absolute Fehlentscheidung heraus. Nur zu gut kann ich mich noch an meine letzte Physik Arbeit erinnern in der ich von 28 Fragen zwei richtig beantwortet hatte. Danach ging auch mein Physiklehrer mit mir mal ins Gespräch. Er meinte wohl, dass ich schon müde sei und es mit Sicherheit für mich besser wäre einen guten Hauptschulabschluss zu machen und dann eine Lehre beginnen würde. Er hatte natürlich erkannt, dass bei mir zu dieser Zeit nicht mehr viel geht. Zu mindestens in den schulischen Leistungen! Bis zu diesem Zeitpunkt war die Schule von Anfang an eine einzige Qual für mich. Konzentrationsschwächen hatte ich von Anfang an gehabt. Das war schon in der Grundschule so und zog sich hindurch, bis letztendlich zu meinem schulischen Abschluss. Meine Eltern hatten auch Untersuchungen angestellt bezüglich Legasthenie oder sonstige Konzentrationsdefizite. Aber feststellen was mit mir los ist konnte nie jemand. Mein Geheimnis war völlig safe bei mir und ich hätte auch viel zu sehr Angst gehabt irgend jemanden davon zu erzählen. Es war zwar eine enorme Belastung für mich, aber irgendwie habe ich mich mit all meinen Problemen durch die Schulzeit schlängeln können. Welche finsteren Ereignisse in meinem weiteren Leben noch auf mich zukommen würden, konnte
ich damals noch nicht erahnen. Wie dem auch sei hatte mein Physiklehrer nun Erbarmen mit mir und wollte mit meinen Eltern sprechen. Wir hatten dann den Abgang von der Realschule
vorbereitet und ich habe dann meinen Abschluss auf der Hauptschule gemacht. Auf der Hauptschule lernte ich dann einen guten Freund kennen, namens Bernd (Name abgeändert). Er begleitete mich einige Jahre auf deinem Lebensweg. Bernd war ein richtiger Kumpel für mich. Mit ihm konnte ich durch dick und dünn gehen und unheimlich viel lachen. Er war Schwergewichtig und ausgestattet mit einem ausgeprägten Humor. Zu dieser Zeit war ich immer noch mit Susanne zusammen. Allerdings war meine Mutter mit Susanne überhaupt nicht einverstanden. Meine Mutter konnte zeitweise eine richtige Gouvernante sein und es jungen Frauen richtig schwer machen. Meine Mutter legte besonderen Wert darauf, dass man einen ordentlichen Händedruck gibt bei der Begrüßung und dass man sich
im Gespräch in die Augen schaut. Verlegenheit und unsicheres auftreten, was bei jungen Leuten schließlich nicht unüblich ist, war für meine Mutter nicht akzeptabel. Wenn jemand diese Eigenschaften nicht mit brachte, stand diese Person auf verlorenem Posten bei ihr.
Und als Susanne mal für eine Nacht von ihrem zu Hause ausgebüxt war, weil sie mit ihren Eltern Stress hatte, sollte ich mich dann auch von Susanne trennen. Da ich erst 16 Jahre alt war konnten meine Eltern natürlich genug Druck auf mich ausüben, dass ich nachgab und
mich somit von Susanne trennte. Ich war natürlich total unglücklich damit, weil ich in Susanne verliebt war. Schließlich zog ich mit Bernd nachts um die Häuser und wir gingen von Kneipe zu Kneipe und Disco zu Disco. Wir hatten viel Spaß zu dieser Zeit gehabt und meine Mutter war natürlich schon angesäuert weil ich der letzte war der die Türe hinter sich zu machte. Auch wochentags war ich bis in die Nacht hinein immer unterwegs. Durch den schnellen Wechsel von der Realschule auf die Hauptschule, auf der ich nur noch für ein
halbes Jahr war, musste dann nach bestandenen Abschluss eine Ausbildungsstelle gefunden werden. Mein Vater kannte einen Inhaber einer Heizungsfirma und letztendlich habe ich dann auch dort meine Ausbildung zum Gas Wasser Installateur und Heizungsbauer
gemacht. Spaß hatte ich an diesem Beruf nie. Eigentlich wollte ich gerne wie Susanne eine Friseur Ausbildung machen. Zudem war mein Patenonkel Friseur und ich habe es immer faszinierend gefunden, wenn er mir die Haare gemacht hat. Aber Friseur durfte ich nicht
werden, weil meine Eltern meinten, dass dieser Beruf nur von Schwulen ausgeübt wird und man dabei auch zuwenig verdient. Das mein Patenonkel nicht homosexuell war, haben sie wohl völlig vergessen dabei. Somit wurde aus dem kreativen Friseur nichts, sondern habe ich begonnen das Rohre Schweißen zu lernen. Nach einigen Monaten habe ich auch wieder begonnen mich mit Susanne heimlich zu treffen. Das heimliche Treffen mit Susanne, die heimliche Zeit als Transmädchen unterwegs zu sein und der Ausbildung die mir überhaupt keinen Spaß machte war keine gute Kombination. Hinzu kamen die Party Abende an denen ich mit Bernd unterwegs war. Zeitweise war ich völlig ausgelaucht und ausgebrannt.
Irgendwann habe ich dann beschlossen das Problem mit Susanne zu lösen und ich habe meinen Eltern gesagt, dass ich mit Susanne wieder zusammen bin. der Haussegen hing dadurch natürlich wieder schief. Aber das war mir zu dem Zeitpunkt diesmal egal, weil ich alt
genug mittlerweile war um mich gegen meine Eltern durchzusetzen. Dies war für mich eine ganz neue Erfahrung welche mir gut getan hat. es ist in dem Alter schwierig seine eigenen Interessen bei den Eltern durchzusetzen. Aber irgendwann muss man auch das Lernen! So
hatte ich zu mindestens eins meiner Probleme in dieser Zeit gelöst. Sie mussten akzeptieren, dass ich mit Susanne zusammen war und mehr mit Murren und Knurren taten sie es dann auch. 

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